Deutscher Sportpresseball 2025

PEGASOS-Preis in der Kategorie „Legende des Sports“
geht an Rudi Völler

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Wolfgang Niersbach (rechts), früherer DFB-Präsident, übergab die Trophäe an Rudi Völler

FRANKFURT – Eine Legende wird man nicht allein durch Siege und Titel. Eine Legende zeichnet sich durch dieses schwer zu greifende Quäntchen „mehr“ aus – mehr Haltung, mehr Glaubwürdigkeit, mehr Authentizität, mehr Menschlichkeit. Rudi Völler verkörpert all das. Als Fußballer wie als Teamchef hat er die Menschen mit seiner Leidenschaft für den Sport berührt und mit Weltklasse-Leistungen überzeugt. 2025 ist für ihn zudem ein Jahr der Jubiläen: Vor 65 Jahren in der Brüder Grimm-Stadt Hanau geboren, vor 35 Jahren Weltmeister geworden, vor 25 Jahren zum Teamchef berufen – eine märchenhafte Erfolgsgeschichte.
Völler war Torschützenkönig, Vize-Weltmeister, Weltmeister, italienischer Pokalsieger und Champions-League-Sieger. Trotzdem blieb er stets nahbar und hat nie den Kontakt zur Basis verloren. Als der DFB zwei Jahre vor der WM 2002 um Hilfe bat, stellte er sich selbstlos in den Dienst der Sache und führte die deutsche Nationalmannschaft entgegen allen Erwartungen ins Finale. Zwei Jahrzehnte später kehrte er als Sportdirektor zum DFB zurück, weil auch der größte Sportverband der Welt nicht darauf verzichten kann, was Rudi Völler weit über den Sport hinaus symbolisiert: Verlässlichkeit, Loyalität und Aufbruchsstimmung.
Mit dem PEGASOS-Preis „Legende des Sports“ würdigen die Veranstalter aber nicht nur das sportliche Lebenswerk einer herausragenden Persönlichkeit, sondern ebenso ihr gesellschaftliches Engagement. Und auch hier ist es wieder dieses Quäntchen mehr, das Völler auszeichnet: Ob Dorfverein oder Großstadtinitiative, wenn er helfen konnte, war er da. Als Ehrenbürger der Stadt Hanau war es ihm ein besonderes Anliegen, ein Jahr nach dem rassistischen Anschlag vom 19. Februar 2020 den Angehörigen der Opfer im Rahmen der Gedenkveranstaltung persönlich seine Anteilnahme auszusprechen. Seit 2023 ist er Mitglied im Stiftungsrat der „Stiftung der Nationalmannschaft“, die bis heute rund 100 Projekte, unter anderem in der Jugend- und Altenhilfe, erfolgreich begleitet hat.
Auch als Botschafter der Franz-Beckenbauer-Stiftung sowie als Mitglied des Stiftungsrates der Egidius-Braun-Stiftung engagiert sich Völler für die gute Sache. Der Verband Deutscher Sportjournalisten, der Verein Frankfurter Sportpresse und die ausrichtende Event- und Kommunikationsagentur metropress presseagentur GmbH schätzen sich daher glücklich, mit Rudi Völler eine Persönlichkeit auszuzeichnen, die seit Jahrzehnten die Menschen inspiriert und ermutigt, dieses Quäntchen mehr zu geben.

 

Ball Impressionen

Fotos: metropress

Der Deutsche Sportpresseball in der Alten Oper Frankfurt stand in diesem Jahr ganz im Zeichen Italiens. Bei Pasta, Vino und der Musik von Gianna Nannini stimmte sich die deutsche Sportszene auf die kommenden Olympischen Winterspiele in Cortina d’Ampezzo und Mailand ein. Zwischen den Festreden klang jedoch immer wieder ein anderer Wunsch an: die Rückkehr Olympischer Spiele nach Deutschland.

Für deutsche Ohren besitzt die italienische Sprache einen besonderen Klang. „Vino“ klingt beschwingter als „Wein“, und „dolce vita“ ruft mehr Sehnsucht hervor als das nüchterne „süße Leben“. Selbst der Begriff „Sommermärchen“, der fest mit der deutschen Sportgeschichte  verbunden ist, hat gegen „un’estate italiana“ einen schweren Stand – jenen Song von Gianna Nannini, der 1990 zur Hymne des Weltmeistertitels der deutschen Fußball-Nationalmannschaft wurde.

Mit genau diesem Lied eröffnete Nannini den Ball am Samstagabend. Auch mit 71 Jahren begeisterte die Sängerin das Publikum in der Alten Oper – oder, wie man es an diesem Abend nannte, in der  – mit jener Energie, die sie seit Jahrzehnten auszeichnet. Schon der Auftakt zeigte: Dieser Abend konnte kaum schiefgehen.

Der dramaturgische Bogen spannte sich vom Hauptpreisträger Rudi Völler, der im italienischen Sommer 1990 Weltmeister wurde und nun für sein Lebenswerk geehrt wurde, bis zu den anstehenden Winterspielen in Italien. Das Ballmotto „una notte olimpica“ – eine olympische Nacht – verband beides symbolisch. Auch die Gestaltung des Abends folgte dieser Linie: italienische Musik, mediterrane Küche und ein blauer Teppich statt des traditionellen roten prägten das Bild.

Trotz der italienischen Note rückte in vielen Gesprächen ein deutsches Thema in den Mittelpunerkt: der Traum von Olympischen Spielen auf heimischem Boden. Hoffnung machte zuletzt ein Votum in München, wo sich eine Mehrheit für eine mögliche Bewerbung der Stadt um die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 aussprach. In Frankfurt wurde dieser Schritt mehrfach als positives Signal gewertet – als kleines, aber wichtiges Zeichen auf dem langen Weg zurück zu Olympia in Deutschland.

Doch noch ist dieser Weg weit. Bis der Deutsche Sportpresseball tatsächlich einmal unter dem Motto  auf Spiele im eigenen Land einstimmen könnte, dürfte es noch einige Jahre dauern.